Kontaktmechanik

Wie die FEM Kontakt zwischen Bauteilen handhabt: Formulierungen, Konvergenz und praktische Tipps.


Kontakt gehört zu den häufigsten Ursachen von Nichtlinearität in der Strukturmechanik-FEM. Er modelliert die Interaktion zweier Flächen, die sich gegeneinander drücken, gleiten oder trennen können, ohne einander zu überlappen oder zu durchdringen.

Warum Kontakt schwierig ist

In einem Standard-FEM-Modell wird jedes Teil unabhängig vernetzt. Ohne Kontakt wissen die Teile nichts voneinander. Der Solver würde sie frei überlappen lassen, was physikalisch falsch ist. Kontaktbedingungen verhindern die Durchdringung und übertragen wahlweise Reibungskräfte.

Die Herausforderung: Der Solver weiß im Voraus nicht, welche Knoten in Kontakt sein werden. Er muss iterieren, den Kontaktzustand in jedem Schritt prüfen und aktualisieren.

Kontakttypen

Verbundener Kontakt (Bonded)

Die beiden Flächen verhalten sich, als wären sie verklebt: keine Trennung, kein Gleiten. Das entspricht dem Verschmelzen der Knoten beider Teile.

Einsatz: dauerhafte Schweißnähte, Klebverbindungen, Presspassungen ohne Rutschen.

Vorteil: verhält sich linear, keine Konvergenziterationen nötig. Deutlich schneller zu lösen als reibungsbehafteter Kontakt.

Reibungsfreier Kontakt

Flächen können frei aneinander gleiten, aber nicht durchdringen. Nur Normalkräfte werden übertragen; keine Tangentialkräfte.

Einsatz: geschmierte Gleitflächen, Symmetrieebenen, erste Kontaktstudien.

Reibungsbehafteter Kontakt

Flächen widerstehen dem relativen Gleiten bis zu einer Reibungsgrenze (Coulomb-Reibung). Sobald die Tangentialkraft μ × Normalkraft überschreitet, gleiten die Flächen.

Einsatz: geklemmte Verbindungen, Schraubverbindungen, reale mechanische Kontakte.

Reibungsbehafteter Kontakt ist die rechenintensivste Kontaktart. Er benötigt viele Iterationen und kann bei hohen Reibkoeffizienten oder schnell wechselnden Kontaktflächen nicht konvergieren.

Kontakt-Formulierungen

Penalty-Methode

Zwischen den beiden Flächen wird eine steife Feder platziert. Eine gewisse Durchdringung wird zugelassen (durch die Penalty-Steifigkeit gesteuert). Leichter zu konvergieren, erlaubt aber kleine Überlappungen.

Lagrange-Multiplikator-Methode

Per Definition ist keine Durchdringung zulässig. Genauer, aber schwieriger zu konvergieren, vor allem bei komplexer Kontaktgeometrie.

Dr.Q verwendet standardmäßig Augmented Lagrange, eine Hybridmethode, die Genauigkeit mit vertretbarer Konvergenz kombiniert.

Praktische Hinweise

  • Mit verbundenem Kontakt beginnen und erst dann auf reibungsbehaftet umschalten, wenn das Gleiten für das gesuchte Ergebnis physikalisch relevant ist.
  • Netz einheitlich vernetzen über die Kontaktschnittstelle. Große Elementgrößenunterschiede erzeugen Kontaktdruckspitzen und Konvergenzprobleme.
  • Kontaktstatus in den Ergebnissen prüfen: sind die Flächen dort in Kontakt, wo Sie es erwartet haben? Getrennte Flächen sind ein häufiges Modellierungsversehen.
  • Punktkontakte vermeiden: eine scharfe Kante, die auf eine ebene Fläche drückt, erzeugt eine Singularität. Kleine Verrundung hinzufügen oder Last über eine Fläche verteilen.

Geometrische Anforderungen

Kontaktflächen müssen geometrisch nahe zusammenliegen, nicht berührend, aber innerhalb eines kleinen Spalts. Sehr große Anfangs-Spalte erfordern mehr Iterationen zum Schließen und können dazu führen, dass der Solver den Kontakt gar nicht findet. Nutzen Sie die Baugruppenbereinigung im CAD-System, um konsistente kleine Spalte (0,01–0,1 mm) sicherzustellen.